„Über dem ansehnlichen Orte Thundorf liegt eine Ruine gleichen Namens“; so beginnt eine Sage. Sie war einst die Stammburg des altfreiherrlichen Geschlechtes derer von Thundorf, die gleichen Ursprungs mit den fränkischen Grafen von Wildberg sich rühmten und die Burgen Thundorf, Wildberg, wie die Orte Stadt-Lauringen, Oberlauringen, Maßbach und noch andere besaßen.
Von diesem einst stattlichen Schloss ist nur noch eine Trümmerstätte zu sehen. Aber in den Tiefen des Schlossberges ruhen noch große Schätze. Mächtige Kellergewölbe lagern voll edlen Weines, aber unerreichbar und jedem Auge verborgen.
Von Zeit zu Zeit wandelt eine einsame und trauernde Schlossjungfrau in weißenwallenden Gewändern über den Platz des einstigen Schlosses und hofft, dass sie endlich Ruhe und Erlösung finden möge. Um aber das zu erreichen, muss ein reiner Jüngling kommen, der in der Nacht nach dem Goldenen Sonntag geboren wurde, der ferner an seinem „dreimal sieben Jahre alten Geburtstag“ zur Jungfrau grüßend hintritt und sie dreimal küsst. Dann kann die Jungfrau eingehen in die ewige Glückseligkeit und Ruhe, der Jüngling aber kommt in den Besitz aller verborgenen Schätze.
Quelle
Josef Lisiecki: Die weiße Jungfrau der Thundorfer Burgruine | entnommen aus: Landkreis Bad Kissingen (Hrsg.): Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen, 1982, S. 207 | Nachdruck nur mit Quellangabe gestattet.
Josef Lisiecki verweist im o.g. Sagenband zur Herkunft der Sage auf folgende Informationen und Quellen: Die Sagen des Rhöngebirges und des Grabfeldes, S. 241: „Vom wüsten Schloß Thundorf“.
Ungefährer Ort der Sage
Weitere Sagen
Sagen aus Thundorf
Sagen aus dem Landkreis Bad Kissingen