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Der nächtliche Spuk im Pferdestall

Sage ohne festen Ortsbezug

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In verschiedenen Rhöndörfern, vor allem auch in den abgesiedelten des heutigen Truppenübungsplatzes Wildflecken, erzählte man früher merkwürdige Spukgeschichten, die sich meist in den Ställen zugetragen haben sollen. So setzte folgende Sage einmal ein ganzes Dorf in Angst und Staunen:

Eines Morgens kam ein Bauer in den Stall und fand seine Pferde schweißtriefend und mit geflochtenen Schweifen vor. Der Bauer, der nicht abergläubisch war, nahm die Sache gar nicht so ernst und glaubte vielmehr an einen Lausbubenstreich, wie er sich in ähnlicher Weise schon anderswo zugetragen hatte.

Er besprach dennoch die Angelegenheit mit seinem Knecht. Sie kamen überein, sich mit einem Stock und einer Peitsche in einer Stallecke auf Lauer zu legen. Wenn die übermütigen Burschen hereinkämen, wollten sie ihnen einen gehörigen Denkzettel verabreichen.

Lange verharrten beide stumm nebeneinander. Inzwischen schlug die Uhr des Dorfes zwölf. Und immer noch verhielten sich die beiden Wächter mucksmäuschenstill in ihrem Versteck.

Plötzlich wurden die Pferde unruhig und begannen wild zu schnauben und zu stampfen. Beiden lief es eiskalt über den Rücken. Da aber die Erregung der Tiere immer ärger wurde, entschlossen sich die Männer, im Stall Licht zu machen. Und siehe da: den Pferden stand der Schaum vor dem Maul und die Schweife waren wieder festgeflochten. Nun waren sich beide darüber einig, dass es in diesem Haus spuken müsse und böse Geister ihr Unwesen trieben.

Sobald der Tag angebrochen war, lief der Bauer zu einem Bekannten, der mit Geistern „umzugehen wusste“ und schon öfters Geister vertrieben hatte. Am späten Abend kam der Alte, ließ sich in den Stall führen und blieb ganz allein dort zurück. Schon beim nächsten Morgengrauen eilte der Bauer in den Stall, um zu fragen, was der „Geisterfachmann“ und die Pferde in der Nacht erlebt hätten. Doch der Gefragte antwortete recht geheimnisvoll: „So, von nun an hast du Ruh im Stall; deinen Pferden tut niemand mehr etwas an!“

Der Geisterbeschwörer hatte Recht behalten. Doch niemand hat je erfahren, was er in jener Nacht im Stall gemacht hatte.

Quelle

Josef Lisiecki: Der nächtliche Spuk im Pferdestall | entnommen aus: Landkreis Bad Kissingen (Hrsg.): Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen, 1982, S. 245 f. | Nachdruck nur mit Quellangabe gestattet

Josef Lisiecki verweist im o.g. Sagenband zur Herkunft der Sage auf folgende Informationen und Quellen: Sagen aus Rhön und Vogelsberg, S. 175 „Es spukt im Pferdestall“.

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