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Sagen und Legenden

Die Messe um Mitternacht

Sage ohne festen Ortsbezug

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Einst besuchte ein frommer Rhönbauer, der in schwere Not geraten war, seine Dorfkirche, um seinen Herrgott um Hilfe zu bitten. Von der harten Arbeit des langen Tages aber übermannte ihn die Müdigkeit und er schlief ein.

Am Abend schloss wie immer der Kirchendiener das Gotteshaus, ohne den späten Beter bemerkt zu haben. Erst kurz nach Mitternacht wachte der Schläfer auf. Er wollte eilends die Kirche verlassen, das Portal aber war fest verschlossen. Verständlicherweise scheute er davor zurück, in so ungewöhnlicher Stunde auf sich aufmerksam zu machen und er legte sich wieder auf eine Bank, um den Morgen abzuwarten. Plötzlich vernahm er ein Geräusch und er konnte eine dunkle Gestalt auf sich zukommen sehen. Es war ein fremder Priester, der sich in der Sakristei aufgehalten hatte. Der Geistliche stellte herzlich bittend die Frage an den Mann: „Ich möchte jetzt am Altar eine Messe lesen, willst du mir nicht dabei ministrieren?“ Obwohl der Bauer über diese Frage recht verwundert war, willigte er ein. Der geheimnisvolle Priester zelebrierte nun die Messe und der einsame Besucher des Gotteshauses diente ihm am Altar.

Nach der mitternächtlichen Messe sprach der Priester: „Meine arme Seele ist nun erlöst. Sie hat so lange leiden müssen, bis ich einen Menschen fand, der mir um Mitternacht am Altar dienen wollte. Ich bin dir zu großem Dank verpflichtet!“ Kaum hatte der Priester diese Worte gesprochen, war er spurlos verschwunden. Der erstaunte Rhöner aber blieb bis zur Frühmesse in der Kirche, glücklich, einer armen Seele geholfen zu haben.

Quelle

Josef Lisiecki: Die Messe um Mitternacht | entnommen aus: Landkreis Bad Kissingen (Hrsg.): Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen, 1982, S. 247 | Nachdruck nur mit Quellangabe gestattet

Josef Lisiecki verweist im o.g. Sagenband zur Herkunft der Sage auf folgende Informationen und Quellen: Sagen aus Rhön und Vogelsberg, S. 134 und 135.

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