Ein Bauer aus Motten war zu später Abendstunde auf dem Heimweg vom Fuldaer Markt. Dort hatte er dem Bier eifrig zugesprochen, so dass er bald auf seiner eintönigen Nachtfahrt einschlummerte. Plötzlich wurde er unsanft aus dem Schlaf gerissen. Fast wäre er von seinem Kutschbock auf die Straße gestürzt. Ein Vorderrad hatte einen Radnagel verloren und hatte sich selbständig gemacht. Mit einem Fluch machte er sich an die Arbeit, aber der Wagen war zu schwer. Selbst mit einem starken Prügel ließ sich das Gefährt nicht anheben. Da riss ihm die Geduld und er schrie in den Wald hinein: „Kein Teufel mag einem aber auch helfen!“ – Und schon stand der Herbeigewünschte vordem zu Stein erstarrten Bauern. Doch sein Schrecken schlug alsbald wieder in Leichtsinn um, wahrscheinlich hatte das viele Bier immer noch seine Wirkung und er forderte kurzerhand den Teufel auf, seinen Wagen wieder flott zu machen. Gesagt – getan – .
Vor Freude und Übermut lud er den Satan sogar zu sich auf den Bock ein, denn der Weg zur Hölle sei sicher etwas unbequem, wenn man laufen müsse.
Langsamen Schrittes ging es den Finkenstieg hoch, Motten entgegen. Dabei ernüchterte der Bauer und versuchte nun auf gütliche Art seinen unheimlichen Begleiter loszuwerden. Da dies aber nicht gelang, hieb er, als er die Höhe erreicht hatte, auf seine Pferde dermaßen ein, dass diese in rasendem Galopp davonjagten. Fast wäre der Fahrer selbst vom Sitz gefallen. Der Teufel aber, der des Landwirts Absicht durchschaut hatte, lehnte sich hohnlachend zurück und stieg nicht eher vom Wagen bis die schweißtriefenden Rösser im Hof des Bauern standen.
Der Herr der Unterwelt verschwand aber auch hier nicht und trieb nun sein Unwesen sogar im Bauernhaus. Eiligst holte man einen Pater vom nahen Kloster Volkersberg. Erst mit Hilfe des Kreuzzeichens konnte man den Beelzebub aus diesem Hause verbannen und die ganze Familie vor weiteren Belästigungen bewahren.
Quelle
Josef Lisiecki: Der Bauer und der Teufel | entnommen aus: Landkreis Bad Kissingen (Hrsg.): Sagen und Legenden aus dem Landkreis Bad Kissingen, 1982, S. 139 | Nachdruck nur mit Quellangabe gestattet
Josef Lisiecki verweist im o.g. Sagenband zur Herkunft der Sage auf folgende Informationen und Quellen: Heimatkundliche Stoffsammlung der Lehrer des Landkreises Brückenau 1959
Ungefährer Ort der Sage
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